Prinz "Baby" Arthos

Sei ruhig, mein Leben, mein Alles..
ewig dein, ewig mein, ewig uns.
(Beethoven)

Im April 2011 geriet Arthos in eine Beißerei mit einem Kangal, der ihn unter anderem  durch die Luft schleuderte, so daß Arthos mit Kopf und Rücken auf den Asphalt aufschlug. Neben multiplen Hämatomen führte der Aufprall zu einer Gehirnerschütterung. Etwa zwei Wochen später zeigte sich erstmals das Head Bobbing Syndrom, danach wurden die Anfälle immer häufiger und heftiger. Nach einer dreiwöchigen Kur mit hochdosiertem Vitamin B- Komplex verschwand das Syndrom nahezu vollständig, Anfälle traten mit größerer Heftigkeit, aber nur noch sehr sporadisch auf. Das Absetzen des Vitamin B führte innerhalb weniger Tage dazu, daß die Anfälle sich wieder häuften. Seither bekommt Arthos das Vitamin B durchgehend und wir haben den Tremor gut unter Kontrolle.

Arthos zog am 25.12.2008 im Alter von 14 Wochen ein. Zu dieser Zeit teilte ich mein Leben mit meinem Mann und unserem dreijährigen Dobermann Attila. Bekannte meiner Kollegin kauften Arthos an Heiligabend in Ungarn, leider erwies sich die Schwiegermutter als allergisch und so mußte er wieder weg. Einen Tag und zwei Telefonate später nahmen wir also reichlich unvorbereitet einen Welpen auf, der fortan unser Leben auf den Kopf stellte.

Er entwickelte sich zu einem sehr charmanten und gewitzten Junghund, dem kaum einer widerstehen konnte und bis heute ist er "everybody's darling". Bei Hunden und Menschen gleichermaßen beliebt, lebt er sein Leben getreu dem Motto: hoppla, hier komm ich. Arthos ist sozial hochkompetent und gut veträglich, allerdings anderen Rüden gegenüber mittlerweile sehr skeptisch, was sicher auch daran liegt, daß er nun schon mehrmals gebissen wurde. Freier Umgang ist hier nicht mehr möglich, aber wir arbeiten dran und sammeln fleissig positive Erfahrungen mit souveränen Rüden, damit er wieder lernt, daß ihm nicht jeder "Konkurrent" gleich an den Kragen will. Insgesamt ist er ein Hund, der sich in kritischen Situationen sehr an mir orientiert und sich darauf verlässt, daß ich den Überblick behalte. Er spricht eine sehr differenzierte, fast schon lehrbuchhafte Hundesprache und ich liebe es, ihn im Umgang mit anderen Hunden und auch mit Menschen zu beobachten. Er ist Menschen sehr zugetan und steht auch bei Familienmitgliedern und Freunden wunderbar im Gehorsam. Diesen verweigert er erst, wenn er zu hart angefasst wird (was bei ihm schon laute Worte, ein Reissen am Halsband oder körpersprachlich sehr offensives Verhalten sein können); eine solche Behandlung ist er nicht gewöhnt und empfindet sie wahrscheinlich nicht mal als Strafe- er wird dadurch nur heillos verunsichert und weiß nicht zu reagieren.

Neben unseren ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren beschäftigen wir uns mit Dogtricks und Obedience. Seit ich nach einem mißglückten Trainerwechsel den "sicheren Schoß" meines Vereins verlassen habe, hab ich das Streben nach Prüfungstauglichkeit an den Nagel gehängt und trainiere mit Arthos nur mehr für mich, auf den Spaziergängen, ohne Leistungsdruck, aus Spaß an der Sache. Vielleicht kehrt der alte Ehrgeiz irgendwann wieder zurück, vielleicht auch nicht. Zur Zeit bin ich mit dem Zustand, wie er jetzt ist, zufrieden.

Die Dogtricks lockern das perfektionistische Obedience auf und sorgen sowohl beim Einüben als auch beim Vorführen für gute Laune. Wir üben, wonach uns der Sinn steht, und machen währenddessen auch viel Blödsinn. Es geht nicht darum, daß Arthos die Übung möglichst schnell und möglichst exakt oder ohne Motivation ausführt, und persönlicher "Körpereinsatz" in Form von Handzeichen oder Körperhilfen gehören bei uns dazu. Ich setze die Tricks auch ein, um ihn zu beschäftigen, wenn wir irgendwo warten müssen. Und zu guter letzt fördern wir das Körpergefühl, verbessern Koordination und Aufmerksamkeit, aktivieren die Hinterhand und machen den Hund geschmeidig.

So gern Arthos auch Vollgas gibt, so gern rollt er sich doch auch mit mir auf der Couch zusammen, um zu faulenzen. Er ist sehr verschmust, liebt Körperkontakt und ist am liebsten immer um mich herum. Er überschüttet einen förmlich mit Aufmerksamkeit und Hundeliebe, lässt sich aber auch leicht zurückweisen, wenn er allzu aufdringlich wird. Zuhause fall ich ständig über ihn, weil er sich anschleicht und sich hinter oder neben mich setzt oder legt. Er liegt und schläft bei mir, wann immer er kann, er ist immer da.

Arthos ist ein ganz wunderbarer Hund, in dessen Gegenwart es unmöglich ist, schlecht gelaunt zu sein. Er ist lustiger kleiner Clown, vergnügt, offenherzig, anhänglich, liebt Raufen und Knuddeln gleichermaßen. Nach der Trennung von meinem Mann hat er mir jeden Tag aufs neue geholfen, den Alltag zu bewältigen, nicht aufzugeben und dank ihm konnte ich jeden Tag ein bißchen lachen, auch wenn es mir noch so schlecht ging. Er ist mein Herzhund.

 

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