Gesundheit

Du bist zeitlebens für das verantwortlich,
was du dir vertraut gemacht hast.

(Antoine de Saint-Exupéry) 

Zuchtziel?

Der Dobermann von heute ist leider nicht mehr der tüchtige, gesunde und langlebige Hund, der er mal war. Inzucht und Schönheit um jeden Preis zollen ihr Tribut, auf der Strecke bleiben die Gebrauchsfähigkeit und, was noch schlimmer ist, die Gesundheit. Heutzutage wundert sich kaum ein Rassekenner mehr, wenn Dobermänner in jungen Jahren tot umfallen, und leidet der Hund etwa an einer Unterfunktion der Schilddrüse, gilt man fast schon als Glückspilz, der von Schlimmerem verschont geblieben ist.

Leider verschließen viele Züchter ihre Augen vor der Problematik und gaukeln uns und sich selbst immer noch die heile, rosarote Dobermannwelt vor. Sieht man sich in den Blutlinien diverser Züchter um, merkt man auch als Laie sehr schnell, daß man immer und immer wieder über die gleichen Namen stolpert. Sieht man sich die Belegmeldungen an, gewinnt man den Eindruck, es gäbe nur eine Handvoll Deckrüden in Europa- die, das kommt noch hinzu, in Größe und Gewicht überhaupt nicht mehr in den Standard passen. Die Züchter rennen haufenweise zu den "popular sires", aus Angst, ihre Ware (Welpen) nicht loszubekommen, wenn der Vater keinen großen Namen hat. Und im gleichen Atemzug folgt das Geschrei über den schrumpfenden Genpool. Wer den Mund aufmacht und kritisiert, ist bestenfalls ein Panikmacher, schlimmstenfalls hat er eine Klage am Hals. Um enge Inzucht zu rechtfertigen, werden die tollsten Argumente erfunden. Das beste, was ich diesbezüglich gehört habe: Es sind doch sowieso alle Dobermänner miteinander verwandt, sie stammen alle von Schnuppe ab! Dieser Satz kam von einem Züchter. Und ich lass ihn einfach mal so stehen. Wir Nicht-Züchter haben ja ohnehin keine Ahnung, wer sind wir denn, daß wir uns ein Urteil anmaßen..

Die Mehrheit schert sich nicht mehr um Arbeitsprüfungen, mit der vorgeschriebenen Begleithundeprüfung und der anschließenden Zucht"tauglichkeits"prüfung ist die Sache erledigt und man bemüht sich mehr um Schönheitstitel als um Gebrauchseigenschaften und Gesundheit. Aus dem einst so agilen, flinken, arbeitstüchtigen Dobermann wurde ein Showpony, das sich eindrucksvoll als Accessoire durch die Fußgängerzone führen läßt, das aber kaum noch zu richtiger Arbeit fähig ist. Jedenfalls nicht, ohne daß bei einem 50-Kilo-Rüden im Schutzdienst die Wirbelsäule über die Maßen beansprucht wird (Schutzsport ist ohnehin ungesund, auch für leichte Hunde; für schwere aber umso mehr.)

Seine Schönheit wurde dem Dobermann zum Verhängnis. Nichts ist mehr übrig vom mannfesten Schutzhund, der er ursprünglich war. An seine Stelle tritt der hübsche Modehund, der mit Gück sieben oder acht Jahre alt wird. Hauptsache, er sieht während dieser sieben Jahre schick aus. Nicht alle Züchter denken so. Aber viele- leider zu viele.

Es ist Zeit, damit aufzuhören! Dieser Artikel erschien 2002 im Schäferhund-Magazin.
Nein, nicht etwa im Dobermann-Magazin. Da will man nämlich nichts davon wissen.

Krankheiten


Der Dobermann von heute ist behaftet mit diversen Erkrankungen. Allen voran sei hier die
dilatative Kardiomyopathie (DCM) genannt. In jungen Jahren führt diese Erkrankung des Herzmuskels oft zum plötzlichen Herztod, im weiteren Verlauf zur Herzvergrößerung. Beim Dobermann zeigt sich die DCM verhältnismäßig aggressiv und sehr häufig. Da bis heute nicht "bewiesen" ist, ob DCM vererbbar ist, werden betroffene Hunde und/oder deren direkte Nachkommen weiterhin zur Zucht eingesetzt. Der Nachweis erfolgt in der Regel durch ein 24h-EKG. Eine Untersuchung seitens des DV vor dem Zuchteinsatz ist nicht vorgeschrieben.

In einer aktuellen Studie der LMU München ... konnte bewiesen werden, daß die Prävalenz (also das Vorkommen) der Kardiomyopathie beim Dobermann in Europa - entgegen anderslautenden Vermutungen wie zB dem Dobermann Zuchtverband, bei 58,7 % lag. Das heisst also, daß fast jeder zweite Dobermann die Krankheit im Laufe des Lebens entwickelt! (tierkardiologie.lmu.de)

Desweiteren zeigt sich der Dobermann prädestiniert für die
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), welche einer lebenslangen Behandlung mit Hormonen bedarf, speziell beim Dobermann mit sehr hohen Dosen. Die Symptome reichen von eher harmlosen Haut- und Fellproblemen bis hin zu schwerwiegenden Verhaltensstörungen. Zudem kann die Hypothyreose in direktem Zusammenhang mit DCM stehen bzw. eine Entstehung von DCM begünstigen. Die Hypothyreose läßt sich mittels eines Blutbildes (Schilddrüsenprofil) nachweisen. Eine Untersuchung vor dem Zuchteinsatz ist auch hier nicht vorgeschrieben.

Weitere Erkrankungen, deren Untersuchung nicht vom DV gefordert wird:

  • PHTVL, PHPV, PRA, Katerakt (diverse Augenerkrankungen)
  • Von-Willebrand-Sydrom (Blutgerinnungsstörung)
  • Wobbler (Instabilität der Halswirbelsäule, ähnlich einem Bandscheibenvorfall)
  • Spondylose (degenerative Erkrankung der Wirbelsäule)
  • Head Bobbing Syndrom (Kopftremor)

Ich will trotzdem einen Dobi!

Wer sich dazu entschließt, einen Dobermann-Welpen zu kaufen (der, je nach Züchter und Blutlinie, bis zu 1500 Euro kosten kann), sollte zum einen drauf achten, daß die Eltern und möglichst auch die Großeltern sämtliche Untersuchungen einschließlich eines aktuellen Cardios aufweisen und daß sich zum anderen in der Ahnentafel möglichst unterschiedliche Hunde befinden. Es macht auch Sinn, die Ahnen und deren direkte Verwandte genau unter die Lupe zu nehmen und solche Hunde in der Ahnentafel zu meiden, die an DCM verstorben sind. Eine gute Datenbank gibt es hier. Arthos, über die weiteren Generationen verfolgt, ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie eine Ahnentafel nicht aussehen sollte.

Zum Schluß bleibt mir nur das eine zu sagen: es kostet viel Zeit und Mühe, den richtigen Hund aus der richtigen Verbindung beim richtigen Züchter zu finden. Es kann mitunter zur "mission impossible" werden und man gerät aus Ungeduld schnell in Versuchung, irgendwo anders einen hübschen Welpen zu kaufen, vielleicht von einem bekannten Vater, vielleicht von einem namhaften Zwinger. Ich persönlich würde dann eher auf einen Dobermann aus dem Tierschutz zurückgreifen, als für viel Geld wissentlich einen Hund aus zweifelhafter Verpaarung zu kaufen. Wir, die Käufer, steuern den Markt. Wir bestimmen durch unsere Nachfrage das Angebot. Solange wir weiter Welpen aus kranken und/oder extremen Inzuchtverpaarungen kaufen, werden diese Welpen auch weiterhin gezüchtet.

It's only up to us owners to say, enough is enough. We are the ones who watch our Dobies suffer, we are the ones that are left with broken hearts and wounded souls. That needs to end now, before it's too late. Save the Doberman breed!

Literatur:

  • Mein gesunder Dobermann (Lowell J. Ackermann)
  • Rückenprobleme beim Hund (Anders Hallgren)
  • Tellington-Training für Hunde (Linda Tellington-Jones)
  • Kräuterbuch für Hunde (Angela Münchberg)
  • Homöopathie für Hunde (A.H. Westerhuis)
  • Bachblüten für Hunde (Petra Stein)
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