Training

Was du mir sagst, das vergesse ich.
Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich.
Was du mich tun lässt, das verstehe ich.
(Konfuzius)

Philosophie

Arthos wird über positive Verstärkung gearbeitet. Das heißt, daß das Setzen von Negativreizen bei unerwünschtem Verhalten vermieden und stattdessen erwünschtes Verhalten belohnt und geformt wird. Der Vorteil ist, daß der Hund stressfrei lernt und sein Lernprozess nicht durch unangenehme Reize blockiert wird. Es zwingt einen zudem, sich mit den Bedürfnissen des Hundes auseinanderzusetzen und herauszufinden, was den Hund motiviert. Fast alle Hunde lassen sich gut über Futter und/oder Beute motivieren. Arthos interessiert sich im freien Gelände kaum für Futter und nur begrenzt für Beutespiele. Die Freigabe nach einer Übung ist ihm die liebste Belohnung, mit mir zu toben oder mich anspringen zu dürfen findet er toll. Lautes Anfeuern bringt ihn beim Rückruf auf Höchstgeschwindigkeit. Außerdem buddelt er für sein Leben gern, auch das kann man als Belohnung einsetzen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos- wir müssen "nur" lernen zu erkennen, was unser Hund will und wann er es will. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Jeder Hund hat andere Bedürfnisse. Die herauszufinden ist unsere Aufgabe, und sie sind unser Werkzeug bei der Arbeit über positive Verstärkung. Belohnung kommt von "lohnen". Es muß sich für den Hund lohnen, das zu tun, was wir von ihm wollen. Ich treffe oft Menschen auf Spaziergängen, die sich beschweren, daß der Hund jagt, nicht hört etc. Fast alle sind ohne Futter, Spielzeug und insgesamt gelangweilt, meist sogar gänzlich geistesabwesend mit ihrem Hund unterwegs. Viele bieten ihrem Hund "aus Prinzip" keine Futterbelohnung an. Auf die Frage hin, warum der Hund zurückkommen soll, wenn doch der Hase oder die anderen Hunde grade so toll sind, während ihr Mensch im Vergleich nichts zu bieten hat, oftmals nicht mal ein verbales Lob, wenn er tatsächlich kommt, ernte ich lange Gesichter.

Der muß kommen, weil ich es sage! Oder: Ich will, daß er für mich arbeitet, und nicht für das Futter! Okay. Da denke ich immer gern an eine Aussage von Jean Donaldson in ihrem Buch "Hunde sind anders": Welcher Mensch würde noch arbeiten gehen, wenn er dafür kein Geld mehr bekäme? Welcher Mensch würde arbeiten gehen, einfach nur, weil er den Chef so gern hat? Die Antwort liegt auf der Hand. Wäre es mein größter Lohn, daß mein Chef mir keine Ohrfeige gibt, wenn ich morgens zur Arbeit erscheine, dann wären sowohl meine Leistungsbereitschaft als auch meine Leistungsqualität gleich null. Belohnen ist keine Bestechung. Es ist Handel, wie so vieles im Leben. Unser Chef hat das Geld, wir haben die Zeit. Wir tauschen also unsere Leistung gegen Geld. Unsere Hunde
tauschen ihre Leistung gegen die Erfüllung ihrer Bedürfnisse, und die gehen nun mal über den Futternapf hinaus.

Viele Hundehalter denken auch, der Hund würde von Futter (oder Spielzeug oder was auch immer) abhängig und würde nur noch gehorchen, wenn er weiß, daß man was einstecken hat. Es mag sicherlich Hunde geben, die so sind. Ich persönlich kenne keinen einzigen.

Praxis

Eine positive Bestärkung ist all das, was in Verbindung mit einer Handlung dazu beiträgt, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass eine solche Handlung wiederholt wird. (Karen Pryor)

Ich will, daß Arthos aktiv mitarbeitet. Er soll mitdenken und mit Freude bei der Sache sein. Freudiges Arbeiten erreiche ich nicht, indem ich ihn mit Leinenrucks, verbalen Ausfällen oder körperlichen Korrekturen in ein Verhalten zwinge. Das bedeutet nicht, daß ich unerwünschtes Verhalten ausschließlich ignoriere, ihn den Kühlschrank ausräumen lasse und däumchendrehend drauf warte, daß er damit fertig ist, um dann das Aufhören zu belohnen, indem ich ihm einen Ring Fleischwurst reinschiebe. Es bedeutet auch nicht, dem Hund keine Grenzen zu zeigen, und ihm nicht seinen Stellenwert zu vermitteln. Es bedeutet, ihm ein souveräner Führer zu sein. Jemand, der unbeherrscht oder laut wird, oder gar Gewalt anwendet, ist nicht souverän, sondern bestenfalls tauglich, um Angst und Schrecken zu verbreiten oder sich lächerlich zu machen. Respekt erfährt man damit aber sicherlich nicht.

Das Umleiten in ein alternatives Verhalten funktioniert bei uns besser als das bloße Abbrechen, nach dem der Hund dasitzt und denkt: und jetzt? Das Risko, daß er tut, was er vorher getan hat, ist hoch. Das läßt sich beliebig auf unterschiedliche Situationen übertragen. Reines Abbrechen nutze ich nur, wenn ich davon ausgehen muß, daß aufgrund des Erregungsniveaus kein Alternativverhalten abrufbar ist. Ist Arthos zehn Meter voraus und es taucht plötzlich ein fremder Hund vor uns auf, dann schick ich ihn lieber in ein sicheres Platz, um hinzugehen und ihn anzuleinen, anstatt zu rufen und zu riskieren, daß er nach vorn geht.

Und auch bei uns gibt es die Kommandos "Nein" und "Schluß". Ich muß nicht laut oder gar handgreiflich werden, um sie durchzusetzen. Wenn man einen Hund nicht von Anfang an mit Lautstärke, Gerucke und Klapsen abstumpft, bleibt er auch in Zukunft sensibler gegenüber "sanfter" Einwirkung. Eine klare Körpersprache kommt beim Hund ohnehin deutlicher an als laute Worte und ein gezielter Blick kann sehr viel nachhaltiger sein als jedes Kommando.

Schade finde ich, daß sich hartnäckig der Irrglaube hält, man käme in der Hundeerziehung und -ausbildung nicht um eine gewisse Härte herum. Das "Funktionieren" der positiven Verstärkung wird gern mit Wesensschwäche des jeweiligen Hundes erklärt und belächelt. Ist es nicht eher eine Wesensschwäche von uns Menschen, wenn wir denken, wir müßten den Gehorsam mit Negativreizen "absichern"- womöglich, weil uns nichts besseres einfällt? (Stark)Zwangmethoden sind auch heute noch weit verbreitet, werden propagiert und verharmlost, Lerntheorien werden ignoriert und mißachtet. Der Leidtragende ist der Hund, der der Engstirnigkeit des Menschen unterliegt. In meinen Augen ist das ein Armutszeugnis. In diesem Zusammenhang sei auf den Artikel von Sabine Winkler zum Thema Stromreizgeräte im Hundesport hingewiesen, der mir nur allzu deutlich aus der Seele spricht.

Ähnliches gilt für die Dominanztheorie, die nach wie vor gern von selbsternannten Hundetrainern als die Erziehungsmethode verbreitet wird. Der Führer stürmt voran, erhöhte Liegeplätze sind strategisch wertvoll, der Alpha frisst zuerst, mit jeglichem Ungehorsam widersetzt sich der Hund absichtlich dem Menschen, um ihn zu dominieren, und zu guter letzt hilft nur noch der gute alte Alphawurf (ich warte immer noch auf Bilder von Wölfen, die ihre Mitwölfe auf den Rücken werfen).. der Blödsinn kennt kaum Grenzen. Wenn ich mir Respekt verschaffen muß, indem ich mich vor meinem Hund durch die Tür drücke, ihm Couch und Bett verbiete, meine Nase in seinen Napf stecke, bevor ich füttere, und immer und unter allen Umständen Gehorsam einfordere, egal ob der Hund gerade versteht, was ich von ihm will oder nicht- dann läuft in meinem Umgang mit dem Hund etwas grundverkehrt! Dem Hund einen "Freiflug" zu verpassen, ist nicht wölfisch, sondern menschlichdämlich und fast schon lächerlich. Das einzige, was daran ansatzweise wirkt, ist die Verunsicherung des Hundes, und genau die sollte niemals Basis der Hunderziehung und -ausbildung sein!

Literatur:

  • So denkt Ihr Hund mit (Nina Miodragovic)
  • So lernt mein Hund (Sabine Winkler)
  • Die Welt in seinem Kopf (Dorothee Schneider)
  • Das andere Ende der Leine (Patricia Mc Connell)
  • Hunde sind anders (Jean Donaldson)
  • Positiv bestärken, sanft erziehen (Karen Pryor)
  • Antijagdtraining (Pia Gröning & Ariane Ullrich)

 

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